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Datum: 26.08.2025

"Wir brauchen ein Airbnb für Lkw-Stellplätze!"

Regionalverband veranstaltet Tagung zu smartem Lkw-Parkplatz-Sharing und zur Ladeinfrastruktur

Überfüllte Parkplätze, Müll und verstopfte Straßen in Wohn- und Gewerbegebieten: Der gravierende Mangel an Lkw-Stellplätzen ist in der Region FrankfurtRheinMain als Drehkreuz im deutschen und internationalen Wirtschaftsverkehr ein wachsendes Problem. Lastwagen werden notgedrungen in Gewerbe- und Wohngebieten geparkt, das Fahrpersonal übernachtet in der Kabine, meist ohne Zugang zu Sanitär- und Versorgungseinrichtungen. Ein stetig wachsender Logistikverkehr, der Menschen und Betriebe mit Waren und Dienstleistungen versorgt, trifft auf viel zu wenig Parkraum für Lastwagen. Schätzungen zufolge fehlen bundesweit 40.000 Lkw-Stellplätze.

Doch wie könnten Lösungen für die boomende Logistikregion FRM aussehen? Das war Thema der Veranstaltung „Gemeinsam stark: Kooperationsmodelle für effizientes Lkw-Parken“ Ende August 2025 im Frankfurter Haus der Region. Auf Einladung des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain diskutierten mehr als 50 Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Logistikunternehmen, Spediteuren, Interessenverbänden und Anbietern von Truck-Parking-Systemen, wie mehr Parkraum für Lkw durch eine effektivere Flächennutzung entstehen könnte. Zugleich ging es um die Frage, wie sich ein Lkw-Parkplatz-Sharing mit dem gezielten Ausbau der E-Ladeinfrastruktur auf Parkplätzen kombinieren ließe.

„In der Logistikregion FRM sind viele Städte und Gemeinden durch ungeordnetes LKW-Parken in Gewerbe- und Mischgebieten stark belastet. Als Regionalverband suchen wir mit Kommunen und Unternehmen nach Lösungen, stoßen Kooperationen an und ermutigen, neue Wege zu gehen. Im dicht besiedelten Ballungsraum mit vielen versiegelten Flächen und hoher Flächennutzungskonkurrenz ist es zentral, dass bestehende Flächen mehrfach und effizienter genutzt werden. Genau dafür gibt es kreative, digitale Ansätze. Ziel ist, diejenigen, die tagsüber oder nachts ungenutzte Flächen haben, mit jenen zusammenzubringen, die dringend Parkraum benötigen. Wir brauchen gewissermaßen ein Airbnb für Lkw“, sagte Rouven Kötter, Mobilitätsdezernent und Erster Beigeordneter des Regionalverbandes.

Wie es gelingt, dass eigentlich miteinander konkurrierende Fuhrunternehmen bei der Lösung der Parkplatzfrage für Lkw kooperieren, erläuterte Thorsten Gutmann vom KRAVAG Truck Parking im Haus der Region. Bei dem Netzwerk, einer Initiative der R+V-Versicherung, bieten Speditionen zeitweise leerstehende Parkflächen auf ihrem Betriebsgelände an, die dann von Fahrpersonal und Disponenten anderer Unternehmen des Netzwerks gebucht werden können. Bei dem bundesweiten Netzwerk machen 400 Unternehmen mit. Der nächste Schritt, so Gutmann, sind E-Ladesäulen, die bei der Refinanzierung der Parkflächen ein Anreiz sein können.

Ein weiteres Buchungssystem für Lkw-Parkplätze, die dazugehörige digitale Infrastruktur sowie die Mitentwicklung von Ladeinfrastruktur bietet die Firma Bosch Service Solutions GmbH mit Bosch Road Services an. Paul Riffel stellte das Angebot vor, das inzwischen nach Firmenangaben gut 30.000 Stellplätze auf über 600 Arealen in 12 europäischen Ländern umfasst. „Deutschland und insbesondere die Region FRM sind ein echter Wachstumsmarkt“, so Riffel.

Matthias Burkhardt von der Geschäftsstelle Elektromobilität der LEA LandesEnergieAgentur Hessen GmbH verwies im Hinblick auf die Klimaziele auf die wirtschaftlichen Perspektiven und die wachsende Bedeutung von E-Ladestationen. „Das Geschäftsmodell „Laden“ ist auch finanziell attraktiv“, so Burkhardt. Die LandesEnergieAgentur bietet Firmen und Kommunen Beratungen zum Umstieg auf alternative Antriebe und zum Einstieg in die Ladeinfrastruktur.

Die Idee des AirBNB für LKW erhielt im Rahmen der Tagung großen Zuspruch. Dr. Christian Langhagen-Rohrbach vom Hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium, Hanaus Stadträtin Isabelle Hemsley und der Geschäftsführer des Fachverbands Güterkraftverkehr und Logistik Hessen e.V., Klaus Poppe, sprachen sich ausdrücklich für diesen Ansatz aus.

Ein positives Fazit zur Veranstaltung zog Claudia Bohner-Degrell, Projektleiterin im Regionalverband: „Es war ein sehr vielversprechender Auftakt! Zahlreiche Akteure haben ihr Interesse signalisiert. Es sind bereits Kommunen und auch Unternehmen auf mich zugekommen, die konkrete Flächen prüfen wollen, es wurden Anschlussgespräche mit LKW-Parkplatz-Sharing-Anbietern und der LEA vereinbart. Als Regionalverband werden wir das Thema weiter vorantreiben.“

Der Erste Beigeordnete des Regionalverbandes Rouven Kötter freut sich ebenfalls, dass beim Thema Lkw-Parken etwas ins Rollen gekommen ist. „Es gibt die Bereitschaft, zusätzliche Flächen für das Lkw-Parken anzubieten. Und es zeigt sich, dass die Verbindung von Parkraum und E-Ladeinfrastruktur ein für alle Beteiligten lukratives und zukunftsfähiges Geschäftsmodell ist. Wir vom Regionalverband setzen uns dafür ein, dass es innerhalb der nächsten zwei Jahre 12 neue Standorte für Lkw-Parkplätze in der Region FRM gibt“, sagte Kötter.

Der Regionalverband FrankfurtRheinMain greift das Thema der mangelnden Lkw-Parkplätze im Rahmen seiner Wirtschaftsverkehrsstrategie für die Region FrankfurtRheinMain auf. Sie ist ein gemeinsames Handlungsprogramm, um Güter- und Dienstleistungsverkehre effizienter, reibungsloser und nachhaltiger zu gestalten. Die Optimierung von Lkw-Parkflächen und die Entwicklung von Ladeinfrastruktur zählen zu den konkreten Maßnahmen der Wirtschaftsverkehrsstrategie.


Ansprechperson:

Claudia Bohner-Degrell
Projektleiterin
Abteilung Mobilität
Regionalverband FrankfurtRheinMain
bohner-degrell@region-frankfurt.de

Infos zur Wirtschaftsverkehrsstrategie für die Region FrankfurtRheinMain:

https://www.wirtschaftsverkehr-frm.de/

 

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