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Historische Kulturlandschaft und ihre Elemente (KHLE)


Wer mit wachen Augen durch die Landschaft geht, kann sie entdecken: die häufig unscheinbaren Zeugen der Vergangenheit. Es gibt eine Vielzahl von Relikten in unserer heutigen Kulturlandschaft. Überall dort, wo wir in der Landschaft einer anderen Zeit begegnen, ist historische Kulturlandschaft: Römerstraßen, Wegekreuze, Hohlwege, Gerichtsbäume oder Eiskeller gehören dazu.
Bisher konzentrierte sich der Regionalverband darauf, einzelne Elemente der historischen Kulturlandschaft zu erfassen. Diese „kulturhistorischen Landschaftselemente“ (KHLE) sind heute noch erlebbare Reste unserer ehemaligen Kulturlandschaft und erfüllen folgende Bedingungen:

  • Sie sind sichtbar, also in der Landschaft mit bloßem Auge zu erkennen.
  • Sie sind anthropogen, das heißt: sie sind durch menschliches Wirken entstanden.
  • Sie sind historisch, stammen also aus einer vergangenen Zeit; heute würden sie auf diese Weise nicht mehr geschaffen werden.
  • Sie haben originale Substanz und sind keine Nachbauten.

Im Glossar, auf dem Downloadbereich dieser Seite, sind Beispiele für KHLE zu finden.
Der Regionalverband kartiert seit den 1990er-Jahren die historische Kulturlandschaft und deren Elemente. Es geht dabei um Objekte, die bisher nicht unter Denkmalschutz stehen, aber dennoch kulturhistorisch wertvoll sind. Kartierung und Kulturdenkmäler (Bau- und Bodendenkmäler) bilden zusammen ein Kulturlandschaftskataster und somit eine digitale Datenbasis für die Region.

Kulturlandschaftskataster_Screenshot
Zum Kulturlandschaftskataster (Klick auf Abbildung)



Die bewusst wahrgenommene Kulturlandschaft ist ein Schritt zum eigenständigen Bild der Region Rhein-Main im Zeitalter der Globalisierung; sie soll so entwickelt werden, dass sie ihre Funktion als Heimat und Erholungsraum auch weiterhin erfüllen kann. Zusätzlich soll ein solches Kataster das Bewusstsein für das eigene kulturelle Erbe wecken.

Derzeit liegen 6817 Elemente (Baudenkmäler, Bodendenkmäler und sonstige kulturhistorische Landschaftselemente) im Kulturlandschaftskataster vor.

Die KHLE verteilen sich auf 132 verschiedene Typen (z.B. Allee, Mühlteich oder Steinbruch).

Die Elemente lassen sich fünf Funktionsbereichen zuordnen:

  • Land- und Forstwirtschaft
  • Bergbau und Gewerbe
  • Siedlung und Verteidigung
  • Verkehr
  • Sonstiges


Wir bedanken uns bei den zahlreichen Beteiligten – allen voran bei den Heimat- und Geschichtsvereinen, die die Notwendigkeit der Erhaltung der historischen Kulturlandschaft erkannt und mit großem Engagement bei der Erfassung mitgewirkt haben.


Kulturdenkmäler


Da Bau- und Bodendenkmäler zu den kulturhistorischen (Landschafts-) Elementen zählen, sind sie auch Teil des Kulturlandschaftskatasters. Dort sind derzeit 1806 Baudenkmäler verzeichnet. Hinzu kommen 4225 Bodendenkmäler sowie der römische Grenzwall Limes, der als UNESCO-Welterbe unter Schutz steht.

Die unter dem Begriff Kulturdenkmäler zusammengefassten Bau- und Bodendenkmäler werden in Deutschland in der Regel ausführlich untersucht, inventarisiert und unter Schutz gestellt. Darüber hinaus genießen sie in der Bevölkerung eine gewisse Bekanntheit und Akzeptanz. Es lag dem Regionalverband jedoch mit seinem Projekt am Herzen, gerade jene Elemente zu erfassen, die nicht unter Denkmalschutz stehen. Aus diesem Grund hat der Regionalverband bei seinem Projekt sein Hauptaugenmerk auf die nicht geschützten KHLE gelenkt.

Steinkreuz bei Friedberg (Foto: Timm Nüchter)



Verwendung der Daten


Der Regionalverband hat das Ziel, alle kulturhistorisch wertvollen Elemente in der Planung zu berücksichtigen, wenn zum Beispiel Straßen gebaut oder Baugebiete ausgewiesen werden. Die Daten des Katasters sind deshalb auch Bestandteil der Plan-Umweltprüfung, die ein Teil des Regionalen Flächennutzungsplans ist. Auch in der Landschaftsplanung finden sie Berücksichtigung. Die Kulturdenkmäler werden derzeit in der Beikarte des Regionalen Flächennutzungsplans dargestellt.

Sie sind aber auch Bestandteil verschiedener Regionalpark-Projekte. Ein Beispiel dafür sind die alten Kalkbrennöfen bei Flörsheim, die durch das aktive Gestaltungskonzept des Regionalparks RheinMain vor dem Vergessen bewahrt und wiederhergestellt wurden.

Kalkbrennöfen bei Flörsheim


Weitere Schritte


Die Landschaft unterliegt einem ständigen Wandel: manche Elemente verschwinden, neue entstehen. Entsprechend ist eine solche Erhebung wie die des Regionalverbandes naturgemäß lückenhaft und bietet nur eine Auswahl der Objekte. Tatsächlich sind bei der Größe des Untersuchungsgebietes hunderte noch nicht erfasster KHLE zu erwarten, vor allem im Taunus, wo der Landschaftswandel vergleichsweise langsam vonstattengeht. So lohnt es sich, die Datensammlung ständig fortzuführen. Sie ist ein offener Prozess.

Viele Diskussionen bei Veranstaltungen haben gezeigt, wie wichtig es ist, die Bürger über das historische Potenzial vor Ort aufzuklären, um eine Zerstörung der Kulturlandschaft zu verhindern, die meist nicht aus Vorsatz, sondern aus mangelnder Kenntnis erfolgt. Beispiele aus dem Regionalpark zeigen, dass es entscheidend für die Erhaltung der Landschaftselemente ist, sie aufzuwerten und damit ins Bewusstsein zu rücken. Diese Zeugen der Vergangenheit können dazu beitragen, dass sich die Menschen mit ihrer Region identifizieren. So ist es notwendig, die individuelle Eigenart einer Landschaft zu erkennen, hervorzuheben und für die nachfolgenden Generationen nachhaltig zu sichern. Deshalb und um den Erlebnis- und Erholungswert der Landschaft zu steigern, ist es ein Ziel des Regionalverbandes das Thema historische Kulturlandschaft in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Ein wichtiger Baustein in der Öffentlichkeitsarbeit für dieses Projekt ist die Ausstellung „Alltag macht Geschichte – Kulturhistorische Landschaftselemente in der Region Rhein-Main" (hier) , die seit dem Jahr 2006 im Freilichtmuseum Hessenpark bei Neu-Anspach zu sehen ist.
Mitgliedskommunen des Regionalverbandes können die Ausstellung ausleihen. Das Team des Verbandes ergänzt sie jeweils um zwei bis drei Tafeln, die sich mit der örtlichen Kulturlandschaft befassen.