Besuch im »Maschinenraum« der Verkehrswende
Wenn es sie nicht schon gäbe, müsste man sie sogleich erfinden: Die Rede ist von Mobilitätsstationen. Dieses zukunftsweisende Verkehrskonzept bündelt Mobilitätsangebote wie Bus, Bahn, Carsharing und Leihräder und verknüpft sie mit Radabstellplätzen und E-Ladestationen. Sie fördern einen alltagstauglichen Mobilitätsmix aus unterschiedlichen Verkehrsmitteln für Arbeit, Einkauf und Freizeit.
Mobilitätsstationen gelten als zentrale Bausteine einer zukunftsorientierten Mobilitätsentwicklung. Deswegen setzt sich der Regionalverband mit voller Kraft für sie ein. „Wir schaffen gerade gemeinsam mit Projektpartnern die konzeptuellen Voraussetzungen dafür, dass Kommunen aus der Region FRM Mobilitätstationen deutlich praktikabler und wirtschaftlicher umsetzen können. Damit ebnen wir Städten und Gemeinden, die in diesen Zeiten oft mit knappen Kassen und Fachkräftemangel kämpfen, einen Weg zur Transformation in die nachhaltige und zukunftsfähige Mobilität“, sagt Rouven Kötter, Erster Beigeordneter des Regionalverbandes und zuständig für den Bereich Mobilität.
Dreh und Angelpunkt des Vorhabens ist das Projekt „Raum für neue Mobilität“ (RaMo), das der Regionalverband FrankfurtRheinMain gemeinsam mit dem Wetteraukreis, der Hochschule RheinMain und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund umsetzt. Zunächst entstehen Mobilitätsstationen im Wetteraukreis, perspektivisch soll das Konzept auf alle 108 Kommunen der Region ausgeweitet werden.
Aber wie sieht der Prozess ganz konkret aus, an dessen Ende der für die Kommunen realistisch umsetzbare Ausbau der Mobilitätsstationen möglich wird? Alina Fröhlich und Franz Jettich, Mobilitätsplaner beim Regionalverband, beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit der Planung, dem Bau und der Finanzierung der Stationen und begleiten das regionale Kooperationsprojekt seit Jahren mit Herzblut. Alina Fröhlich denkt an die Anfänge vor fünf Jahren zurück, als mögliche Standorte gesucht wurden. Damals lieferte die Hochschule RheinMain als Projektpartner 200 potentielle Standorte. Aus diesen Vorschlägen sollte ein ganzes Netz interkommunaler Mobilitätsstationen im Wetteraukreis entstehen, so die Idee.
Neben Lage und Erreichbarkeit wurden technische und bauliche Voraussetzungen sowie die Eigentumsverhältnisse der Flächen geprüft. In dieser Zeit fuhr die Mobilitätsexpertin für zahlreiche Kommunengespräche immer wieder in den Wetteraukreis: „Final ausgewählt wurden die Standorte dann gemeinsam mit Bürgermeistern, Mobilitäts- und Klimaschutzfachleuten der Kommunen vor Ort.“ Im Anschluss gab es die kommunalen Beschlüsse. Damit legten sich die beteiligten Städte und Gemeinden fest nach dem Motto: Wir machen beim Projekt mit! Nach den kommunalen Beschlüssen wurden die organisatorischen und rechtlichen Grundlagen geschaffen. Dazu zählte auch die Zweckvereinbarung, ein wichtiges Herzstück des Projekts. Dabei handelt es sich um eine Art Drehbuch für die nächsten 15 Jahre: Die Vereinbarung legt fest, welche Projektpartner welche Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten haben.
Die folgende Phase des Mobilitätsprojekts stand im Zeichen des Geldes, sprich: der Beantragung von Fördermitteln. Wie bei Vielem steckt der Teufel im Detail – das gilt auch für Fördermittelanträge. Eine Mobilitätsstation kann dabei ganz unterschiedlich ausgestaltet sein und befindet sich stets in unmittelbarer Nähe zu Haltepunkten des öffentlichen Personennahverkehrs: An kleineren Standorten umfasst sie beispielsweise sichere Fahrradabstellanlagen, eine Sharing-Station für Leihräder sowie eine übersichtliche Beschilderung mit Mobilitätsinformationen. Größere Stationen an Bahnhöfen oder zentralen Plätzen können zusätzlich Carsharing-Stellplätze, E-Ladeinfrastruktur für Pkw und Pedelecs, Sitzgelegenheiten, Überdachungen sowie eine gute Beleuchtung integrieren.
Für den Fördermittelantrag wurden Größe und Ausstattung der Mobilitätsstationen in enger Abstimmung mit den Kommunen und dem Wetteraukreis festgelegt. Die Regionalverbands-Beschäftigten unterstützten mit einer Mitarbeiterin des Wetteraukreises die Kommunen bei der Zusammenstellung der Fördermittelunterlagen, schrieben beispielsweise Checklisten oder Vorlagen und gaben so den Wissensstand der Gemeinden, die schon weit gekommen waren, an die Verwaltungen weiter, die noch am Anfang standen – gelebte regionale Zusammenarbeit. Nach etlichen Formularen und Abstimmungen war es schließlich geschafft – der Fördermittelantag wurde durch den Wetteraukreis fristgerecht zum 1. Juni 2025 beim Land Hessen eingereicht.
Sogleich folgte die nächste Mammutaufgabe: Eine europaweite, rechtssichere Ausschreibung für die baulichen Elemente der geplanten Mobilitätsstationen. Ziel war, einen Rahmenvertragspartner zu gewinnen, über den die Kommunen der Region auch künftig Infrastrukturelemente unkompliziert und nach regionalen Standards für die Stationen bestellen können. Die Mobilitätsexperten brachten die Ausschreibung, unterstützt von einer spezialisierten Anwaltskanzlei, auf den Weg. „Die Alternative wäre gewesen, dass jede Kommune selbst ausschreibt – mit dem entsprechenden Aufwand“, sagt Franz Jettich. Ein weiterer Vorteil des regional gebündelten Vorgehens: Wegen des größeren Auftragsvolumens konnten bessere Konditionen für die Bauelemente der Mobilitätsstationen verhandelt werden.
Im Dezember 2025 erhielt die BIK TEC GmbH aus Hückelhoven den Zuschlag, welche ab Juni 2026 für die folgenden fünf Jahre allen 108 Kommunen als Rahmenvertragspartner zur Verfügung steht. „Dass wir dieses Unternehmen gewinnen konnten, war ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg zur großflächigen Umsetzung der Mobilitätsstationen in unserer Region“, sagt Rouven Kötter.
Neben Standortwahl, Fördermittelantrag, Ausschreibung und Projektmanagement standen weitere Aufgaben auf der Agenda. So wurde mit den Projektpartnern und einer Grafikagentur ein eigenes Corporate Design für die Mobilitätsstationen entwickelt. Diese neue Dachmarke schafft Akzeptanz und Wiederkennbarkeit und prägt auch ein Stück regionale Identität. Das entstandene Logo ist auch patentrechtlich geschützt worden.
„Dieses Projekt zeigt, wie leistungsfähig regionale Kooperation sein kann. Indem wir Aufgaben bündeln, Wissen teilen und Standards entwickeln, ermöglichen wir es auch kleineren Kommunen, moderne Mobilitätsangebote wirtschaftlich umzusetzen. Davon profitiert die gesamte Region – und vor allem die Menschen vor Ort“, fasst Birgit Weckler, Erste Kreisbeigeordnete und Mobilitätsdezernentin des Wetteraukreises, zusammen.
Was sind eigentlich Erfolgsfaktoren für solch ein komplexes regionales Mobilitätsprojekt? „Man benötigt ein ausgeprägtes Faible für Organisation, Lust an viel Kommunikation auf Augenhöhe und muss bereit sein, immer wieder Neuland zu betreten. Denn es gibt einfach enorm viele inhaltliche Facetten und Fragestellungen“, berichten Alina Fröhlich und Franz Jettich von ihren Erfahrungen der letzten Jahre.
Die nächsten Arbeitsschritte stehen schon an. Sobald der Fördermittelbescheid des Landes Hessen für den Wetteraukreis vorliegt, wollen die Mobilitätsprofis vom Regionalverband die Rahmenverträge und Ausschreibungen von Bike- und CarSharing erarbeiten.
Weitere Infos
- Mit dem vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekt „Raum für neue Mobilität“ (RaMo; Förderkennzeichen 01UV2125) hat sich der Regionalverband FrankfurtRheinMain gemeinsam mit seinen Verbundpartnern Hochschule RheinMain, Rhein-Main-Verkehrsverbund und Wetteraukreis entschlossen, konzeptuell Rahmenbedingungen für Mobilitätsstationen in der Region zu schaffen.
- Die Transferarbeit im Main-Kinzig-Kreis wird durch die Fachgruppe Mobilitätsmanagement der Hochschule RheinMain innerhalb der RaMo-Förderphase III wissenschaftlich unterstützt.
- Mehr zu Mobilitätsstationen unter: http://www.region-frankfurt.de/mobilitätsstationen
- Mehr über den Regionalverband unter: http://www.region-frankfurt.de